Pressemitteilung des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V.

Vom 03.02.2003

Das Begleitete Fahren ist derzeit in vielen Medien zu einem wichtigen Thema geworden, allerdings unter der „Mogelpackung“ Führerschein mit 17.

Die Medienberichte erwecken den Eindruck, der Startschuss sei bereits gefallen. Dem ist nicht so. 

Hier haben wir die aktuellen Fakten zusammengetragen:

1.      Nach wie vor ist die Unfallbeteiligung der jungen Fahranfänger überproportional hoch. Neben einer Reihe weiterer Ursachen wird die geringe Fahrerfahrung der Fahranfänger von vielen Experten für die überproportionale Unfallbeteiligung dieser Gruppe als ursächlich angesehen. Mit steigender Fahrerfahrung nimmt das Unfallrisiko deutlich ab. 

2.      Mit unterschiedlichen Ansätzen wird in Europa versucht, die Unfallbeteiligung der jungen Fahrer zu reduzieren. Eine in einigen Ländern eingeführte Maßnahme ist das Begleitete Fahren. Ziel des Begleiteten Fahrens ist es, dem jungen Fahranfänger die Möglichkeit zu geben, Fahrpraxis unter kontrollierten Bedingungen zu erwerben.

3.      Der Bundesverkehrsminister hat eine Expertengruppe der Bundesanstalt für Straßenwesen beauftragt zu prüfen, ob durch das Begleitete Fahren auch in Deutschland ein Rückgang der Unfälle junger Fahrer erreicht werden kann. 

4.      Die Vorschläge der Expertengruppe wurden auf dem Verkehrsgerichtstag am 30.01.2003 in Goslar vorgestellt (Empfehlungen des AK I s.u.). Eine endgültige Entscheidung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Wohnungswesen ist entgegen anders lautender Berichte in den Medien erst im Laufe des Frühjahrs 2003 zu erwarten.

5.      Die Experten sind sich einig, dass vor dem Begleiteten Fahren die komplette Fahrausbildung durchlaufen und die Fahrerlaubnisprüfung bestanden sein muss. 

6.      Weitere Details wie die Anforderungen an den Begleiter, eventuelle Auflagen für die Fahranfänger, wurden in Goslar von den Experten des Verkehrsgerichtstages diskutiert und werden vom  Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen geprüft.

7.      Vor der Einführung des Begleiteten Fahrens müssen eine Reihe gesetzlicher Regelungen angepasst bzw. neu geschaffen werden.

8.      Wenn das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen die Grundlagen für das Begleitete Fahren geschaffen haben wird, müssen die Länder entscheiden, ob sie sich an dem Modellversuch beteiligen. Baden-Württemberg favorisiert nach wie vor die zweite Phase. Bei diesem Modell wird jungen Fahrern die Möglichkeit gegeben, unter der Leitung eines erfahrenen Seminarleiters in Gruppengesprächen, Gruppenfahrten und einem Sicherheitskurs ihre konkreten Erfahrungen zu erörtern und ihr Verhalten im Straßenverkehr zu überprüfen. 

9.      Die Entscheidung, ob das Begleitete Fahren in Baden-Württemberg eingeführt wird, kann erst nach Abschluss der Beratungen in den gesetzgebenden Körperschaften erfolgen.
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ÜBERNOMMEN VON:
DEUTSCHE AKADEMIE FÜR  VERKEHRSWISSENSCHAFTEN e.V.

- Deutsches Verkehrswissenschaftliches Seminar -

41. Deutscher Verkehrsgerichtstag

29. bis 31. Januar 2003 in Goslar